Seiter Klinik
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Schwangerschaft und Krampfadern

In der Schwangerschaft kommt es durch Hormoneinwirkung zu Gewebe- und Gewebsstrukturumbildungen (das Bindegewebe wird aufgelockert und die Gefäßwände können porös werden). Das Wachstum des Kindes und der Gebärmutter führt dazu, dass der Druck auf die Beckengefäße und damit auch auf die Beingefäße zunimmt.

Die Folgen können sein:

  • Krampfaderentwicklung und/oder Verschlechterung eines bestehenden Krampfaderleidens
  • Massive Zunahme von Besenreisern (bis hin zu bedrohlich wirkender blau-violetter Verfärbung im Unterschenkel-, Knöchel- oder Fußbereich)
  • Veränderungen im Hautbild (Verfärbungen, Ekzeme, Entzündungen)
  • Wassereinlagerungen im Bereich der Beine (Schwellungen, Ödeme)
  • Entwicklung von sogenannten Schwangerschaftskrampfadern (im Genitalbereich) - sogenannte pudendale Varizen

Aus Krampfadern können Komplikationen resultieren wie Venenentzündungen (Thrombophlebitiden) oder gar Thrombosen.

Da die therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von Krampfadern (oder daraus resultierenden Komplikationen) im Rahmen einer Schwangerschaft eingeschränkt sind, muss es heißen: "Vorsorge treffen! Komplikationen vermeiden!"

Eine Schwangere weist im Verlauf ihrer Schwangerschaft ein 5- bis 10-mal, im Wochenbett ein 10- bis 20-mal höheres venöses Thromboserisiko als eine gleichaltrige nicht schwangere Frau auf.

Es gibt Risikofaktoren, die die Gefahr der Entstehung einer Thrombose in der Schwangerschaft erhöhen können:

  • Lebensalter > 35 Jahre
  • ausgeprägte Krampfadern
  • Thrombosen in der Vorgeschichte
  • Thrombophilie (ererbte oder erworbene Gerinnungsstörung)
  • Flüssigkeitsverluste (Erbrechen, Magen-Darm-Infekte etc.)
  • Schwangerschaft durch hormonelle Eierstockstimulation
  • Adipositas in der Frühschwangerschaft (BMI > 30)
  • Operative vaginale Entbindung, Notfallkaiserschnitt und / oder starke Blutung bei der Geburt

Die Entscheidung für eine Thromboseprophylaxe in der Schwangerschaft und nach der Geburt richtet sich nach dem individuellen Thromboserisiko:

Risiko

Befund

Prophylaxe / Therapie

Niedrig

  • familiäre Thromboseanamnese
  • Gerinnungsstörung ohne eigene und familiäre Thrombosen in der Vorgeschichte
  • in der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe
  • bei zusätzlichen Risikofaktoren nach der Geburt Thromboseprophylaxe mit niedermolekularen Heparinen (NMH) bis zu 6 Wochen sinnvoll 

Mittel

  • Thrombose in der Vorgeschichte ohne angeborene Gerinnungsstörung
  • wiederholter Spontanabort und ererbte / erworbene Gerinnungsstörung ohne Thrombose in der Vorgeschichte
  • homozygote Faktor-V-Leiden-Mutation ohne Thrombose in der Vorgeschichte
  • NMH prophylaktisch während der Schwangerschaft und nach der Geburt (6 Wochen)

Hoch

  • Thrombose in der aktuellen Schwangerschaft
  • wiederholte Thrombose in der Vorgeschichte
  • bereits vor der Schwangerschaft laufende Antikoagulation wegen zurückliegender Thrombose oder aus anderen Indikationen (z.B. Herzerkrankung)
  • homozygote Faktor-V-Leiden-Mutation oder kombinierte Gerinnungsstörung mit Thrombose in der Vorgeschichte
  • Antithrombinmangel mit und ohne Thrombose in der Vorgeschichte
  • NMH therapeutisch während der Schwangerschaft und nach der Geburt (oder nach der Geburt direkt orale Antikoagulation mit z.B. Marcumar)

Häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft:

  • Muss ich Kompressionsstrümpfe tragen und wie lange?
    Bei Schwellungen der Beine und / oder bereits sichtbaren Krampfadern sollten Sie Kompressionsstrümpfe oder spezielle Schwangerschaftskompressionsstrumpfhosen tragen - diese werden z.B. von Ihrem Gynäkologen oder nach Untersuchung des Gefäßsystems vom Gefäßspezialisten verschrieben und sollten tagsüber zumindest bis zur Beendigung der Wochenbettphase getragen werden (besser 6 Wochen nach Geburt).
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  • Muss ich im Rahmen der Schwangerschaft Heparin spritzen?
    Bei entsprechendem Thromboserisiko, angeborenen Gerinnungsstörungen (die mit einem erhöhten Thromboserisiko einhergehen) und / oder nach stattgehabten Thrombosen kann es erforderlich sein, dass während der Schwangerschaft (und Wochenbettphase) eine Thromboseprophylaxe mit z.B. einem niedermolekularen Heparin (NMH) durchgeführt wird - Art und Dauer dieser Prophylaxe muss individuell festgelegt werden durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Ihrem Gynäkologen und einem Gefäßspezialisten.
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  • Kann ich Besenreiser / Krampfadern während der Schwangerschaft behandeln lassen?
    Während der Schwangerschaft müssen alle Maßnahmen unterbleiben, die nicht medizinisch absolut erforderlich sind!
    Was bedeutet dies für Sie als werdende Mutter?
    Am sinnvollsten ist ein Check Ihres Venensystems in der frühen Schwangerschaft um Ihnen eine gezielte Hilfe an die Hand geben zu können und damit beizutragen, dass Sie eine unbeschwerte Schwangerschaft vor sich und möglichst wenig Folgen / Schäden am Gefäßsystem zu beklagen haben.
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  • Wann kann ich nach einer Schwangerschaft meine Krampfadern behandeln lassen?
    Das Bindegewebe und damit das Venensystem festigt sich nach einer Schwangerschaft nur langsam und es dauert etwa 6 Monate, bis die Reparaturvorgänge abgeschlossen sind. Eine Kontrolle bei einem Gefäßspezialisten ist deshalb 6 Monate nach Geburt sinnvoll - bei dieser Kontrolle kann das individuelle, auf Sie zugeschnittene Behandlungskonzept festgelegt werden. In seltenen Fällen ist eine frühzeitigere Kontrolle oder Behandlung erforderlich - dies wird Ihnen im Rahmen der Betreuung während der Schwangerschaft dementsprechend mitgeteilt.
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  • Wann können Besenreiser behandelt werden?
    Besenreiser können 6 Wochen nach Geburt bzw. nach Beendigung der Stillzeit behandelt werden - das Verödungsmittel geht nicht in die Muttermilch über, allerdings besteht im Rahmen der Stillzeit das Risiko der Hyperpigmentation (Dunkelfärbung der Haut).
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  • Was kann ich nach der Entbindung für meine Beine / Gefäße tun?
    Von Ihrem Gynäkologen oder vom Gefäßspezialisten verschriebene Kompressionsstrümpfe oder spezielle Schwangerschaftskompressionsstrumpfhosen sollten tagsüber bis 6 Wochen nach Geburt getragen werden. Allgemeine Bein- und Gefäßgymnastik sollte (wie z.B. Rückbildungsgymnastik) frühest möglich begonnen bzw. fortgeführt werden - Sport (Schwimmen, Radfahren, Walking) kann aus gefäßchirurgischer Sicht ausgeübt werden, sobald von gynäkologischer Seite aus erlaubt.
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  • Darf ich nach der Geburt wieder in die Sauna?
    Da sich das Bindegewebe nach einer Schwangerschaft nur langsam wieder festigt und es etwa 6 Monate dauert, bis der Körper mit seinen Reparaturvorgängen abgeschlossen hat, sollte auf Saunabesuche in diesem Zeitraum verzichtet werden.

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